Seit 2016 können Arbeitnehmer aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Nordmazedonien, Montenegro, Albanien und dem Kosovo über die Westbalkanregelung eine deutsche Arbeitserlaubnis erhalten, und zwar ohne Anerkennung ihrer Qualifikation (außer in reglementierten Berufen). Voraussetzung ist ein konkretes Arbeitsangebot eines deutschen Arbeitgebers. Auch 2026 ist die Regelung für viele Arbeitnehmer vom Balkan der übliche Weg nach Deutschland.
Formell handelt es sich um § 26 der Beschäftigungsverordnung (BeschV). Staatsangehörige der sechs Westbalkanstaaten erhalten danach Arbeitsvisum und Arbeitserlaubnis in einem vereinfachten Verfahren, auch wenn ihre fachliche Qualifikation in Deutschland nicht anerkannt ist. Die Verordnung sieht eine Vorrangprüfung vor. Die Bundesagentur für Arbeit führt sie aber seit dem 3. November 2023 per Weisung bis auf Weiteres nicht durch und kann sie jederzeit wieder verlangen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kontingent: seit 1. Juni 2024 50.000 Zustimmungen pro Jahr (zuvor 25.000); die Regelung ist seit 2023 unbefristet
- Berechtigte Länder: Bosnien und Herzegowina, Serbien, Nordmazedonien, Montenegro, Albanien, Kosovo
- Vorrangprüfung: in § 26 BeschV vorgesehen, von der BA derzeit ausgesetzt
- Kein Anerkennungsverfahren, außer in reglementierten Berufen
- Hauptbedingung ist ein konkretes Angebot eines deutschen Arbeitgebers
- Die meisten Stellen entfallen auf Bau, Gastronomie, Transport, Pflege, Landwirtschaft und Industrie
- Die Aufenthaltserlaubnis kann verlängert werden, zuständig ist dann die Ausländerbehörde
- Für 2027 plant die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag eine Halbierung des Kontingents auf 25.000 (noch nicht beschlossen)
1. Wie hat sich die Westbalkanregelung entwickelt?
- 2016: Einführung, zunächst ohne Kontingent
- 2021: Verlängerung bis Ende 2023, erstmals mit einem Kontingent von 25.000 pro Jahr
- 2023: Die Regelung wird mit der Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung unbefristet; die BA setzt im November die Vorrangprüfung aus
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- Juni 2024: Erhöhung des Kontingents auf 50.000 pro Jahr
- 2026: Das Kontingent bleibt bei 50.000. Es ist auf Monate und Staatsangehörigkeiten aufgeteilt, deshalb hängt die Wartezeit vom Herkunftsland ab
2. Wer ist berechtigt? Anforderungen an Arbeitnehmer 2026
Staatsangehörigkeit
Bosnien und Herzegowina, Serbien, Nordmazedonien, Montenegro, Albanien oder Kosovo.
Welche Unterlagen und Voraussetzungen braucht der Arbeitnehmer?
- Gültiger Reisepass
- Konkretes Arbeitsangebot, also ein Arbeitsvertrag oder ein verbindliches Angebot einer deutschen Firma
- Arbeitsbedingungen wie bei vergleichbaren inländischen Arbeitnehmern; das Gehalt muss den Lebensunterhalt decken
- In den letzten 24 Monaten keine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
- Wer älter als 45 ist und erstmals eine Zustimmung erhält, braucht ein Bruttojahresgehalt von 55 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung (2026: 55.770 Euro) oder einen Nachweis über eine angemessene Altersversorgung
Was wird nicht verlangt?
- eine in Deutschland anerkannte fachliche Qualifikation (Ausnahme: reglementierte Berufe, etwa Ärzte; dort muss die Qualifikation zuerst anerkannt werden)
- derzeit eine Vorrangprüfung, solange die BA sie ausgesetzt lässt
- ein bestimmtes Sprachniveau: Die Westbalkanregelung schreibt keine Deutschkenntnisse vor
3. Wie läuft das Verfahren Schritt für Schritt ab?
Phase 1: Arbeitgeber findet den Arbeitnehmer (1 bis 30 Tage)
Sie suchen selbst oder beauftragen eine spezialisierte Agentur. Eine solche Agentur schlägt Ihnen den ersten qualifizierten Kandidaten innerhalb von 15 Werktagen ab Unterzeichnung des Auftrags vor.
Phase 2: Arbeitsvertrag (1 bis 7 Tage)
Phase 3: Vorabzustimmung (je nach Herkunftsland Tage bis Monate)
Sie als Arbeitgeber beantragen die Vorabzustimmung online bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die BA prüft, ob Gehalt und Arbeitsbedingungen denen vergleichbarer inländischer Arbeitnehmer entsprechen. Weil das Kontingent auf Monate und Staatsangehörigkeiten aufgeteilt ist, unterscheiden sich die Wartezeiten stark: Laut BA (Stand 7. September 2026) wurden Anträge für Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien tagesaktuell bearbeitet, für Albanien dagegen Anträge vom 8. Mai 2026 und für Kosovo vom 3. Februar 2026.
Phase 4: Visum D bei der deutschen Botschaft (2 bis 6 Wochen)
Der Arbeitnehmer legt die Vorabzustimmung, den Vertrag und seine Unterlagen bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung vor. Für die erstmalige Zustimmung muss er den Antrag in einem der sechs Westbalkanstaaten stellen (§ 26 Abs. 2 BeschV).
Phase 5: Einreise und Anmeldung (3 bis 7 Tage)
Nach der Einreise muss sich der Arbeitnehmer innerhalb von 14 Tagen anmelden und bei der Ausländerbehörde den Aufenthaltstitel beantragen.
Phase 6: Arbeitsbeginn
Das Visum zur Erwerbstätigkeit ist bereits ein Aufenthaltstitel (§ 4 AufenthG). Der Arbeitnehmer darf die Beschäftigung aufnehmen, die im Visum erlaubt ist. Die Aufenthaltserlaubnis beantragt er vor Ablauf des Visums bei der Ausländerbehörde.
Vom ersten Kontakt bis zum ersten Arbeitstag sollten Sie realistisch 3 bis 5 Monate einplanen. Für Arbeitnehmer aus Albanien und dem Kosovo dauert es wegen der Rückstände bei der BA derzeit deutlich länger.
4. Was hat sich 2024 bis 2026 geändert?
Verbesserungen
- Das Kontingent stieg am 1. Juni 2024 von 25.000 auf 50.000.
- Die Vorabzustimmung können Sie online bei der BA beantragen.
- Seit November 2023 führt die BA keine Vorrangprüfung durch.
Schwierigkeiten
- Die Monatskontingente sind nach Staatsangehörigkeit aufgeteilt. Die BA nennt selbst das Beispiel, dass ein Antrag für Kosovo vom Juni erst im Dezember eine Vorabzustimmung bekommen kann.
- Die BA kann die Vorrangprüfung jederzeit wieder einführen.
5. Was wird für 2027 vorgeschlagen?
Eine Verlängerung braucht die Regelung nicht, sie ist seit 2023 unbefristet. Geplant ist dagegen eine Kürzung: Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung das Kontingent ab 1. Januar 2027 von 50.000 auf 25.000 Zustimmungen pro Jahr halbieren (Stand: Bericht vom 25. September 2026). Beschlossen ist das noch nicht, § 26 BeschV nennt weiterhin 50.000.
Für Pflegehilfskräfte, Berufskraftfahrer und Arbeitnehmer mit ausgeprägter Berufserfahrung (§ 6 BeschV) gibt es laut BA eigene Wege ohne Kontingent. Wie sich die Westbalkanregelung und das Fachkräfteeinwanderungsgesetz unterscheiden, lesen Sie in unserem Leitfaden Fachkräfte aus dem Ausland einstellen.
6. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich die Westbalkanregelung für einen bosnischen Arbeitnehmer nutzen, der bereits in Kroatien arbeitet?
Ja, aber nicht über das deutsche Konsulat in Zagreb. Für die erstmalige Zustimmung muss der Visumantrag bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung in einem der sechs Westbalkanstaaten gestellt werden (§ 26 Abs. 2 BeschV).
Brauchen Arbeitnehmer Deutschkenntnisse?
Die Westbalkanregelung selbst verlangt keine Deutschkenntnisse. Welches Niveau die Stelle braucht, legen Sie als Arbeitgeber fest. In reglementierten Berufen wie der Pflegefachkraft gelten zusätzlich die Sprachanforderungen des Anerkennungsverfahrens.
Was passiert, wenn das Kontingent im laufenden Jahr ausgeschöpft ist?
Die BA bearbeitet Anträge nur, solange das Monatskontingent für die jeweilige Staatsangehörigkeit nicht ausgeschöpft ist. Ist es erschöpft, verschiebt sich Ihre Vorabzustimmung in einen späteren Monat; ist das Jahreskontingent erschöpft, geht es erst im nächsten Kalenderjahr weiter. Reichen Sie Ihre Anträge deshalb im ersten Quartal ein.
Muss der Arbeitgeber einen Vertrag über 2 Jahre garantieren?
Nicht zwingend. Der Vertrag kann befristet (üblich sind 1 bis 2 Jahre) oder unbefristet sein.
7. Wie gehen Sie jetzt vor?
Für Arbeitgeber in Deutschland
- Arbeiten Sie mit einer Agentur, die das Verfahren nach der Westbalkanregelung kennt.
- Beantragen Sie die Vorabzustimmung im ersten Quartal, wenn die Arbeitnehmer im zweiten oder dritten Quartal anfangen sollen.
- Klären Sie die Unterkunft, bevor Sie den Antrag stellen.
- Zahlen Sie mehr als das Branchenminimum, damit die Arbeitnehmer bleiben.
Für Arbeitnehmer aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Nordmazedonien, Montenegro, Albanien und dem Kosovo
- Ohne konkretes Angebot eines Arbeitgebers geht nichts.
- Eine spezialisierte Agentur kann Ihnen helfen, einen Arbeitgeber zu finden.
- Halten Sie Apostille und Übersetzungen rechtzeitig bereit.
- Rechnen Sie mit 3 bis 5 Monaten.
Weiterführend: Vorabzustimmung Kosovo: Schnellverfahren, LKW-Fahrer C+E für EU-Speditionen, CNC-Operatoren und Schweißer für Serienproduktion und Pflegekräfte aus dem Westbalkan.
Quellen:
- Beschäftigungsverordnung (BeschV), § 26: gesetze-im-internet.de
- Bundesagentur für Arbeit (BA): Westbalkanregelung (Bearbeitungsstand 7. September 2026)
- BA-Weisung 202311002 vom 03.11.2023 (Absehen von der Vorrangprüfung): arbeitsagentur.de
- Geplante Halbierung ab 2027: bau.bi, 25.09.2026
- Bundesministerium des Innern (BMI)
- Auswärtiges Amt, Visumstatistik 2024 bis 2025
Zahlen und Zeitpläne sind Richtwerte. Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar.
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